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Über meine Arbeit

Warum erst handeln, wenn es zu spät ist?

4 Min. Lesedauer

Trainingsraum als Symbol für frühzeitige Gesundheitsvorsorge

In vielen Bereichen unseres Lebens ist Prävention selbstverständlich. Das Auto bekommt regelmäßig ein Service, das Smartphone wird geladen, bevor der Akku leer ist, und wichtige Daten werden gesichert, bevor der Computer ausfällt. Wir kümmern uns um Dinge, bevor Probleme entstehen.

Beim eigenen Körper handeln wir jedoch häufig genau umgekehrt.

Viele Menschen beginnen erst dann, sich mit ihrer Gesundheit auseinanderzusetzen, wenn Beschwerden bereits vorhanden sind. Rückenschmerzen, Bluthochdruck, Übergewicht oder nachlassende Leistungsfähigkeit werden oft als Auslöser gesehen, endlich etwas zu verändern. Dabei entsteht leicht der Eindruck, als wären diese Probleme plötzlich aufgetreten. Tatsächlich entwickeln sie sich in den meisten Fällen über viele Jahre hinweg.

Unser Körper verändert sich jeden Tag. Er baut auf, wenn er regelmäßig gefordert wird, und er baut ab, wenn die Belastung dauerhaft ausbleibt. Dieser Prozess verläuft langsam und zunächst nahezu unbemerkt. Genau das macht ihn so tückisch. Niemand wacht eines Morgens auf und stellt fest, über Nacht sämtliche Muskulatur verloren zu haben oder plötzlich unbeweglich geworden zu sein. Die Veränderungen erfolgen schleichend. Erst wenn sie ein gewisses Ausmaß erreicht haben, werden sie im Alltag spürbar.

Genau deshalb halte ich wenig von der Vorstellung, Gesundheit beginne erst dann, wenn Beschwerden auftreten. Aus meiner Sicht beginnt sie viele Jahre früher. Sie beginnt mit den Entscheidungen, die wir treffen, solange es uns noch gut geht.

Ich erlebe häufig, dass Menschen ihre Gesundheit erst dann als wertvoll erkennen, wenn sie eingeschränkt ist. Dabei investieren dieselben Personen oft viel Zeit und Geld in Dinge, die sie langfristig erhalten möchten. Das Eigenheim wird regelmäßig renoviert, das Auto gewartet und technische Geräte ersetzt, bevor sie komplett ausfallen. Der eigene Körper muss dagegen häufig jahrzehntelang funktionieren, ohne dass ihm dieselbe Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Dabei ist er unser höchstes Gut. Mit ihm arbeiten wir, verbringen Zeit mit unserer Familie, treiben Sport, reisen und genießen unseren Alltag. Alles, was wir im Leben tun, setzt letztlich einen belastbaren Körper voraus. Umso erstaunlicher ist es, dass wir ihm häufig erst dann Aufmerksamkeit schenken, wenn er beginnt, sich bemerkbar zu machen.

Selbstverständlich lassen sich nicht alle Erkrankungen verhindern. Alterungsprozesse gehören zum Leben und auch genetische Faktoren spielen eine Rolle. Daraus jedoch zu schließen, man könne selbst kaum Einfluss auf die eigene Gesundheit nehmen, wäre ein großer Irrtum.

Natürlich gibt es immer Menschen, die trotz eines ungesunden Lebensstils ein hohes Alter erreichen, genauso wie es sportliche Menschen gibt, die dennoch erkranken. Solche Einzelfälle prägen oft unsere Wahrnehmung. Wissenschaftliche Erkenntnisse beruhen jedoch nicht auf Ausnahmen, sondern auf Millionen von Beobachtungen. Und diese zeigen seit Jahrzehnten ein klares Bild: Menschen, die sich regelmäßig bewegen und körperlich aktiv sind, leben im Durchschnitt länger, bleiben länger selbstständig und entwickeln seltener zahlreiche chronische Erkrankungen. Statistik lügt nicht. Wer seine Entscheidungen an Ausnahmen orientiert, wird langfristig häufig enttäuscht werden.

Regelmäßige Bewegung, gezieltes Krafttraining, ausreichend Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und ein bewusster Umgang mit Stress gehören zu den wichtigsten Faktoren, die wir selbst beeinflussen können. Sie ersetzen keine Medizin, sie können ihren Einsatz jedoch in vielen Fällen deutlich hinauszögern.

Ich denke dabei oft an einen Garten. Wer ihn regelmäßig pflegt, gießt und sich um ihn kümmert, wird lange Freude daran haben. Vernachlässigt man ihn jedoch über Monate oder Jahre, beginnt das Unkraut langsam die Oberhand zu gewinnen. Anfangs fällt das kaum auf. Doch irgendwann kostet es deutlich mehr Zeit und Mühe, den Garten wieder in Ordnung zu bringen, als ihn von Anfang an regelmäßig gepflegt zu haben. Mit unserem Körper verhält es sich erstaunlich ähnlich. Gesundheit entsteht nicht an einem einzigen Tag. Sie ist das Ergebnis vieler kleiner Entscheidungen, die sich über Jahre hinweg aufsummieren.

Deshalb sehe ich Bewegung nicht als Reaktion auf Schmerzen, sondern als Investition in die Zukunft. Sie hilft nicht nur dabei, Krankheiten vorzubeugen, sondern erhält Kraft, Beweglichkeit, Selbstständigkeit und Lebensqualität. Wer heute trainiert, tut das nicht nur für den heutigen Tag. Er schafft Reserven für die kommenden Jahre und Jahrzehnte.

Der aktuell häufig verwendete Begriff „Longevity“ beschreibt im Grunde genau diesen Gedanken. Gesund älter werden, körperlich und geistig leistungsfähig bleiben und den Alltag möglichst lange selbstständig bewältigen können. Neu ist diese Idee allerdings nicht. Neu ist lediglich der Begriff. Dass regelmäßige Bewegung und Krafttraining einen entscheidenden Beitrag dazu leisten können, wissen wir schon seit vielen Jahren.

Vielleicht sollten wir deshalb unseren Blick auf Gesundheit verändern. Nicht die Frage „Was kann ich tun, wenn Beschwerden auftreten?“ sollte im Mittelpunkt stehen, sondern vielmehr: „Was kann ich heute tun, damit Beschwerden möglichst gar nicht erst entstehen?“

Denn genau darin liegt der Unterschied zwischen Symptombehandlung und Prävention. Die eine beginnt, wenn das Problem bereits vorhanden ist. Die andere sorgt dafür, dass es im besten Fall gar nicht erst entsteht.

Natürlich gibt es dafür keine Garantie. Niemand kann versprechen, ein Leben lang beschwerdefrei zu bleiben. Die Wahrscheinlichkeit, möglichst lange gesund, belastbar und selbstständig zu bleiben, lässt sich jedoch durch die eigenen Entscheidungen jeden Tag ein Stück weit beeinflussen.

Deshalb sehe ich Training nicht als Pflicht und auch nicht als Mittel zum Zweck. Ich sehe es als eine der sinnvollsten Investitionen, die wir in uns selbst tätigen können. Nicht weil wir heute krank sind, sondern damit wir morgen möglichst gesund bleiben.

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