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Über meine Arbeit

Warum eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio alleine nicht ausreicht

5 Min. Lesedauer

Trainingsbereich eines Fitnessstudios

Jedes Jahr entscheiden sich unzählige Menschen dazu, etwas für ihre Gesundheit zu tun. Besonders beliebt sind dabei die großen Neujahrsaktionen oder vergünstigte Mitgliedschaften im Herbst. Die Motivation ist hoch, die Ziele sind klar formuliert und der Vorsatz scheint ernst gemeint. In den ersten Wochen wird häufig vier- oder sogar fünfmal pro Woche trainiert. Nach kurzer Zeit werden die Besuche jedoch immer seltener. Aus vier Einheiten werden zwei, aus zwei wird eine und irgendwann bleibt die Sporttasche dauerhaft zu Hause.

Diese Entwicklung ist keineswegs ungewöhnlich. Eine prospektive Studie mit neuen Fitnessstudio-Mitgliedern aus 25 norwegischen Fitnessstudios zeigt ein ähnliches Bild. Drei Monate nach Beginn trainierte noch rund die Hälfte der Teilnehmer mindestens zweimal pro Woche. Nach einem halben Jahr waren es nur noch etwa 37 Prozent. Besonders interessant ist dabei ein anderer Befund: Obwohl 86,6 Prozent der Teilnehmer nach zwölf Monaten noch Mitglied im Fitnessstudio waren, trainierten nur rund 17 Prozent während des gesamten Jahres durchgehend regelmäßig. Mitglied zu sein und regelmäßig zu trainieren sind offensichtlich zwei völlig unterschiedliche Dinge.

Aus meiner Sicht liegt genau hier das eigentliche Problem. Eine Mitgliedschaft allein verbessert weder die Gesundheit noch die körperliche Leistungsfähigkeit. Für manche Menschen wird sie sogar unbewusst zu einer Beruhigung des Gewissens. Der monatliche Beitrag vermittelt das Gefühl, bereits etwas für die eigene Gesundheit getan zu haben. Tatsächlich profitiert der Körper jedoch nicht von der Mitgliedschaft selbst, sondern ausschließlich von dem, was anschließend regelmäßig im Fitnessstudio passiert.

Ich vergleiche das gerne mit einem Werkzeugkasten. Wer sich einen hochwertigen Werkzeugkasten kauft, hat sein Haus deshalb noch nicht renoviert. Die Werkzeuge schaffen lediglich die Voraussetzung dafür. Erst wenn sie regelmäßig und richtig eingesetzt werden, entsteht ein Ergebnis. Mit einem Fitnessstudio verhält es sich ganz ähnlich. Es bietet hervorragende Möglichkeiten, Kraft aufzubauen, die Gesundheit zu fördern und langfristig leistungsfähig zu bleiben. Benutzen muss dieses Werkzeug allerdings jeder selbst.

Diese Erfahrung habe ich auch während meiner Tätigkeit in einem Fitnessstudio immer wieder gemacht. Mit jeder neuen Mitgliedschaft war ein geführtes Ersttraining inkludiert. Gemeinsam wurden Ziele definiert, ein Trainingsplan erstellt und die ersten Übungen besprochen. Viele Mitglieder waren in den ersten Wochen hoch motiviert. Genau diese Motivation wurde jedoch häufig zum Problem. Statt den Sport schrittweise in den Alltag zu integrieren, versuchten viele Menschen von einem Tag auf den anderen ihr gesamtes Leben umzustellen. Mehrere Trainingseinheiten pro Woche, eine radikale Ernährungsumstellung und möglichst schnelle Erfolge sollten gleichzeitig erreicht werden. Ein solches Vorgehen funktioniert kurzfristig oft erstaunlich gut. Langfristig scheitert es jedoch häufig am Alltag, weil eine derart radikale Veränderung für die meisten Menschen schlicht nicht dauerhaft durchzuhalten ist.

Genau dieselbe Entwicklung lässt sich auch bei vielen Diäten beobachten. Für einige Wochen wird äußerst konsequent auf nahezu alles verzichtet. Danach kehren die alten Gewohnheiten zurück und mit ihnen häufig auch das ursprüngliche Körpergewicht. Der Grund liegt darin, dass die Diät keinen festen Platz im Alltag gefunden hat und dadurch keine dauerhafte Veränderung entstehen konnte. Beim Training verhält es sich ganz ähnlich. Nachhaltiger Erfolg entsteht nicht durch kurzfristige Motivation, sondern durch Gewohnheiten, die auch dann bestehen bleiben, wenn die anfängliche Begeisterung längst nachgelassen hat.

Hinzu kommt ein weiterer Punkt, der meiner Meinung nach häufig unterschätzt wird. Viele Menschen trainieren zwar regelmäßig, folgen dabei jedoch keinem klaren Konzept. Bei jedem Besuch werden andere Geräte ausprobiert, Übungen beliebig gewechselt oder Trainingspläne aus dem Internet übernommen. Häufig fehlt eine klare Zielsetzung ebenso wie eine systematische Belastungssteigerung. Dabei reagiert unser Körper nicht einfach auf die bloße Anwesenheit im Fitnessstudio. Er reagiert auf ausreichend hohe Belastungen, auf ein sinnvolles Trainingsvolumen und auf kontinuierliche Trainingsreize. Fehlen diese Voraussetzungen, bleibt die gewünschte Anpassung häufig aus, auch wenn sich das Training durchaus anstrengend angefühlt hat. Kurzum: Nur hinzugehen reicht nicht, entscheidend ist auch, was man dort macht.

Genau aus diesem Grund schreibe ich heute keine Trainingspläne mehr, die anschließend ohne weitere Betreuung abgearbeitet werden sollen. Krafttraining ist weit mehr als eine Liste von Übungen. Gerade komplexe Bewegungen wie Kniebeugen oder Kreuzheben lassen sich nicht in einer einzigen Einheit erlernen. Technik, Belastung und Trainingsumfang müssen immer wieder überprüft und an den aktuellen Leistungsstand angepasst werden. Ein Trainingsplan kann deshalb niemals eine kontinuierliche Begleitung ersetzen.

Diese Erkenntnis war letztlich auch einer der Gründe, weshalb ich meine Arbeitsweise verändert habe. Früher habe ich im Rahmen der Einführungstrainings regelmäßig individuelle Trainingspläne erstellt und den Mitgliedern mitgegeben. In den allermeisten Fällen wurden diese Pläne jedoch nur für kurze Zeit umgesetzt. Manche verschwanden bereits nach wenigen Wochen wieder in der Schublade, andere wurden irgendwann durch beliebige Übungen ersetzt. Nicht weil den Menschen der Wille fehlte, sondern weil Training ohne regelmäßige Rückmeldung, Korrektur und Anpassung langfristig nur selten funktioniert.

Wenn ich heute auf die Menschen zurückblicke, die langfristig die größten Fortschritte erzielt haben, fällt mir eine Gemeinsamkeit auf. Es waren nicht jene, die besonders motiviert begonnen haben. Es waren auch nicht jene, die möglichst häufig trainierten. Die nachhaltigsten Veränderungen erreichten vielmehr diejenigen, die das Training über Monate und Jahre Schritt für Schritt in ihren Alltag integriert haben. Viele von ihnen begleite ich bis heute regelmäßig. Nicht weil sie ohne mich nicht trainieren könnten, sondern weil Kontinuität, Feedback und eine laufende Anpassung des Trainings langfristig den entscheidenden Unterschied machen.

Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis dieses Artikels: Gesundheit entsteht nicht mit der Unterschrift unter einem Mitgliedsvertrag. Sie entsteht durch das, was danach Woche für Woche und Jahr für Jahr passiert. Ein Fitnessstudio kann dafür ein hervorragendes Werkzeug sein. Den entscheidenden Unterschied macht jedoch nicht die Mitgliedschaft selbst, sondern die Bereitschaft, dieses Werkzeug regelmäßig, sinnvoll und langfristig zu nutzen.

Quellen:

Gjestvang, C., Abrahamsen, F., Stensrud, T., & Haakstad, L. A. H. (2021). What Makes Individuals Stick to Their Exercise Regime? A One-Year Follow-Up Study Among Novice Exercisers in a Fitness Club Setting. Frontiers in Psychology, 12, 638928. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2021.638928

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