Rückenprobleme und Rückenschmerzen zählen mittlerweile zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden unserer Gesellschaft. Glücklicherweise gehören sie aber auch zu jenen Problematiken, die sich durch gezielte Bewegung und körperliches Training oftmals deutlich verbessern lassen.
Doch wodurch entstehen diese Beschwerden eigentlich?
Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt schnell ein klares Bild:
Mehr als ein Fünftel der erwachsenen Bevölkerung sitzt täglich über acht Stunden. Gleichzeitig sitzen nur etwa 30 % weniger als vier Stunden pro Tag. Besonders kritisch ist dabei, dass ungefähr jede vierte erwachsene Person täglich mehr als vier Stunden sitzt, ohne in der Freizeit regelmäßig körperlich aktiv zu sein.
Auch die allgemeinen Bewegungsgewohnheiten zeigen eine problematische Entwicklung:
Nur etwa jede vierte Person zwischen 30 und 64 Jahren erfüllt die Bewegungsempfehlungen der WHO in Bezug auf Ausdauertraining und Krafttraining. Weniger als jeder Zweite bewegt sich in seiner Freizeit überhaupt mehr als zwei Stunden pro Woche. Auffällig ist außerdem, dass die körperliche Aktivität mit zunehmendem Alter weiter abnimmt.
Die gesundheitlichen Folgen dieser Entwicklung sind längst sichtbar:
24 % der österreichischen Bevölkerung geben an, innerhalb der letzten zwölf Monate zumindest eine Episode von Rückenschmerzen erlebt zu haben. Bei Menschen über 75 Jahren betrifft dies bereits jeden dritten Mann und sogar jede zweite Frau.
Zusätzlich zeigen sich auch bei Übergewicht und Adipositas deutliche Entwicklungen:
55 % der Männer sowie 39 % der Frauen gelten mittlerweile als übergewichtig oder adipös. Tendenz steigend!
Es stellt sich daher die Frage:
Ist Sitzen tatsächlich die Ursache für Rückenprobleme?
Das Sitzen selbst ist meist nicht das eigentliche Problem. Entscheidend ist vielmehr die Dauer der Inaktivität und das Ausmaß körperlicher Aktivität außerhalb des Sitzens.
Unser Körper ist konstruiert, um regelmäßig belastet und bewegt zu werden. Erfolgt diese Belastung nicht, beginnt der Organismus sich anzupassen beziehungsweise abzubauen. Besonders betroffen davon ist die Muskulatur und Knochenstruktur.
Gerade die Rückenmuskulatur erfüllt eine zentrale Funktion für Stabilität und Belastbarkeit der Wirbelsäule. Durch chronische Inaktivität und fehlende Kraftreize nimmt die Funktionsfähigkeit dieses Systems zunehmend ab. Beschwerden entstehen dabei meist nicht plötzlich, sondern entwickeln sich schrittweise über Jahre hinweg.
Salopp formuliert:
Wer täglich acht Stunden im Büro sitzt, gleichzeitig aber regelmäßig Krafttraining betreibt und seinen Körper gezielt belastet, reduziert die Wahrscheinlichkeit für Rückenproblematiken oftmals deutlich.
Genau deshalb liegt die Lösung in vielen Fällen nicht primär in Schonung oder möglichst „ergonomischem Sitzen“, sondern vielmehr in regelmäßiger Bewegung und gezieltem Krafttraining.
Ein gesunder Rücken braucht regelmäßige Bewegung!
Quellen:
Organisation for Economic Co-operation Development, & World Health Organization. (2023). Step up! Tackling the Burden of Insufficient Physical Activity in Europe. (1st ed.). Organization for Economic Cooperation & Development.
Manz, K. (2022). Wie viel sitzen Erwachsene? Ergebnisse der Studie Gesundheit in Deutschland aktuell (GEDA 2019/2020-EHIS). Journal of health monitoring, 7(3), 32–40. https://doi.org/10.25646/10294
Steinlechner, C (2019). Chronische Schmerzen des Rückens und ihre Assoziationen mit sozioökonomischen bzw. psychosozialen Variablen in Österreich analysiert anhand des ATHIS 2014. Humanmedizin; [Diplomarbeit] Medizinische Universität Graz. pp. 56
